Maria Stuart von Friedrich Schiller
mit Liedern von Britney Spears und Madonna
Premiere: 15. Juli 2023, Andere Welt Bühne, Strausberg
Bei Schiller schreit an diesen Frauen alles nach Auseinandersetzung: Wird Elisabeth als Anglikanerin und Britin, Maria, die Katholikin und Schottin, beseitigen lassen? Wird sie mit Gewalt den Machterhalt erzwingen? Und hat Maria wirklich geheime Pläne, Elisabeth zu stürzen? Der Dichter nahm sich der Historie frei an und erfand ein Treffen der Maria Stuart und Elisabeth I., welche sich in der Realität nie begegnet sind. Beschrieben wird aber nicht die Auseinandersetzung zweier Staatsfrauen, stattdessen liefern sich Elisabeth und Maria vor den Augen der Männer im Stück eine Art Schlammschlacht voller Beleidigungen. Das Stück proklamiert: Frauen können einander nur Feindin, nicht Freundin sein. Aber müssen, können, dürfen sich zwei mächtige Frauen immer nur auf Basis ihres Geschlechts, der Zuschreibungen von Heiliger und Hure, bekämpfen? Was wäre stattdessen, wenn Elisabeth und Maria einander hätten als Schwestern begegnen dürfen – und nicht nur als die politischen Spielbälle der sie umgarnenden Männer(fantasien)?
Maria Stuart an der Anderen Welt Bühne ist als großer Versuch angelegt, den Komplex weiblicher Rivalität zu betrachten. Sein Ausgangspunkt ist ein erstmal einfach anmutendes Gedankenspiel: Erinnern Maria Stuart und Elisabeth nicht ein bisschen an die Prinzessin und Königin des Pop – Britney Spears und Madonna? Erinnert das Elisabethanische Zeitalter nicht auch an das Musikbusiness im 21. Jahrhundert? Sind Verehrer der Monarchie nicht einfach nur Fans, immer bereit zu Fanatismus? Ist das House of Lords nicht sowas wie eine Hall of Fame? Und egal, ob vor Untertanen oder Publikum performt wird: Ist am Ende nicht alles eine Show?
Dafür hat sich der gesamte Hofstaat Marias verflüchtigt, sowie große Teile des Apparats der Elisabeth und auch die Franzosen haben sich beinahe spurlos aufgelöst, fast so spurlos, wie Christina Aguilera bei den VMAs 2003, bei dem es zum berühmt-berüchtigten Kuss zwischen Britney Spears und Madonna kam. Manchmal müssen Sachen unsichtbar gemacht werden, um andere wiederum sichtbar zu machen. Mitunter müssen Sachen neu hinzugefügt werden, um weitere Möglichkeitsräume zu eröffnen: Kann uns das Zusammenbringen historischer und heutiger Frauen neue Impulse geben, um über Körper, Macht und Schwesternschaft nachzudenken?
Photocredit: Julia Otto
Mit: Ines Burdow, Julian Moritz, Melanie Seeland
Inszenierung: Paul Spittler
Dramaturgie: Moritz Sauer
Musik: Jonas Albani
Kostüme: Sophie Leypold
Licht: Dietrich Baumgarten, Tim Andersen
Video: Bodo Strecke, Moritz Sauer
Ton: Jonas Albani
Bühne: Emanuel Schleiermacher
Konstruktion Laurin-Treppe: Jan van Appen
Bau: Waldwirtschafterei GmbH
Maria Stuart an der Anderen Welt Bühne ist gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.






